77 Bombay Street – Newcomerband tourt mit «Up in the Sky» durch die Schweiz
GKB /grow: Es war nicht gerade einfach, einen Interviewtermin mit euch zu finden. Bei euch gibt es gerade viel zu tun, oder?
Simri: Momentan extrem! Wir haben die ganze Nacht durch in unserem Keller für den morgigen Auftritt geprobt.
GKB /grow: Ihr wohnt zusammen und ihr tourt zusammen – gibt es da nicht manchmal Streitereien untereinander? Was stört euch am meisten aneinander?
Esra (schmunzelt): Manchmal… Während der Interviews weicht Simri allen unangenehmen Fragen aus und wir anderen müssen dann den Kopf hinhalten.
Simri (lacht): Dafür bist du manchmal «en fuule Siech», der lieber mit seinem Handy rumspielt, statt zu proben.
Esra: Ich bin halt ein gemütlicher Typ.

GKB /grow: Und was war der schönste Moment, den ihr zusammen erlebt habt?
Simri: Dank dem Sieg beim MyCoke-Musikcontest durften wir am Greenfield Festival spielen, das war ein Wahnsinnserlebnis! Wir haben bereits angefangen zu spielen, die Tore waren aber noch verschlossen. Plötzlich gingen diese auf und tausende von Leuten stürmten vor die Konzertbühne, haben gleich begonnen zu klatschen und zu singen. Dieser Anblick hat uns echt von den Socken gehauen!
GKB /grow: Könntet ihr euch vorstellen, international Musik zu machen?
Esra: Auf jeden Fall! Es ist unser grosser Traum von der Musik zu leben, egal wo. Und in der Schweiz ist nun mal der Musikmarkt nicht so gross.
Simri: Deshalb arbeiten wir sehr hart an uns. Hätten wir nicht alle das gleiche Ziel vor Augen, dann könnten wir gleich wieder einpacken.
GKB /grow: Habt ihr schon im Ausland gespielt?
Simri: Wir spielen regelmässig in England. Aber ich muss schon sagen, die Engländer sind unglaubliche Chaoten im Vergleich zu den Schweizern, nichts war organisiert, aber wir würden gerne dort Fuss fassen!
Esra: Wir haben unser Glück auch in Amerika versucht, aber die Konkurrenz ist immens. Ohne Label im Rücken hat man es dort recht schwer.
GKB /grow: Zwei Jahre lang wart ihr in Adelaide. Habt ihr dort auch Musik gemacht?
Esra: Ja, zuerst spielten wir dort zusammen auf der Strasse. Zuerst spielten wir traditionelle Schweizer Musik, begleitet von einem Alphorn und dergleichen, aber das hat den Geschmack der Australier wohl nicht so getroffen. Dann sind wir auf englischen Gospel umgestiegen, das klappte dann schon besser und wir wurden auch für Anlässe gebucht.
Simri: Nachdem wir 2009 zurückgekehrt sind, hatten wir genug von familiären Auftritten. Wir wollten unser eigenes Ding durchziehen und unseren eigenen Sound machen. Als «77 Bombay Street» scheint das ja ganz gut zu funktionieren.
GKB /grow: Ihr habt den ganzen Sommer an Festivals gemeinsam mit internationalen Stars gespielt, gibt es ein schönstes Erlebnis?
Esra: Während des Argoviafestes in Aarau haben uns die «Baseballs» gebeten, mit auf der Bühne einen Song von «Lady Gaga» zu performen. Mit den Headlinern vor 60’000 Leuten zu spielen war der Hammer!
GKB /grow: Wie stehts mit dem Lampenfieber, wenn ihr vor so einer grossen Masse steht?
Esra: Ich habe keine Zeit für Lampenfieber. Es geht immer so hektisch zu und her hinter der Bühne. Erst fehlt das Mikrofon, dann funktioniert ein Instrument nicht…
Simri: Ich bin immer etwas nervös – sobald ich die Uniform anziehe, chribbelt es in meinem Bauch.
GKB /grow: Mit eurer Musik habt ihr eine grossen Erfolg. Hatte eure Ausbildung etwas mit der Musik zu tun?
Simri: Die Ausbildung von Joe und mir hatte nichts mit der Musik zu tun. Joe ist gelernter Sozialarbeiter und ich Sanitärmonteur.
Esra: Ich habe an der Jazzschule in Basel den Bachelor machen wollen, jedoch unterbrochen, damit wir uns auf die Musik konzentrieren können. Sollten wir mit der Musik nicht mehr genug verdienen können, werde ich die Ausbildung nachholen.
GKB /grow: Wir haben für euch 6 Fragen vorbereitet und wir wollen von euch kurze und knappe Antworten.
GKB /grow: Was war eure grösste Musiksünde, die ihr euch in früheren Jahren geleistet habt?
Simri: Die Kelly Family. Aber ich sehe das nicht als Musiksünde. Sie waren damals sehr erfolgreich!
Esra: Wegen meiner Eltern musste ich früher Alphorn spielen. Gott sei Dank liegt das hinter mir.
GKB /grow: Wem würdet ihr am liebsten einmal die Meinung sagen, und warum?
Esra: Ich würde Jack Sparrow von «The Pirates of the Caribbean» sagen, dass er ein cooler Typ ist.
Simri: Ich würde gerne Ueli Maurer raten «Ueli, lass die Schweizer Armeepflicht freiwillig sein»!
GKB /grow: Welches STUcard Angebot aus eurem Wohnkanton gefällt euch am besten?
Beide: Das Openair Safiental wegen seiner super Stimmung. Ausserdem ist es unser Bürgerort.
GKB /grow: Wenn ihr irgendein STUcard Angebot kreieren könntet, was für eins wäre es?
Beide: Günstiger einkaufen im Media Markt! Unser Musikequipment, das wir dort kaufen, ist teuer genug.
GKB /grow: Uns gibt’s nicht ohne…
Beide: … unsere Uniformen und Hüetli!
GKB /grow: Welchen Beruf würdet ihr ausüben wollen, wenn ihr nicht im Musikbusiness währt?
Esra: Ich würde Grafiker werden.
Simri: Und ich würde in die Filmindustrie als Editor einsteigen.
GKB /grow: Danke euch und weiterhin viel Erfolg bei euren Plänen.
Wer ist «77 Bombay Street»
Aufgewachsen sind Matt (28), Joe (26), Esra (24) und Simri (21) in einer neunköpfigen Familie in Basel. Von klein auf wird gemeinsam musiziert, bereits in frühen Jahren folgen erste Auftritte in Spitälern, Altersheimen und an privaten Anlässen. 2001 zieht dann die ganze Familie für zwei Jahre nach Australien, genauer gesagt nach Adelaide an die 77 Bombay Street (daher der Bandname). Zurück in der Schweiz proben sie tagtäglich im Keller ihres Chalets in Scharans GR und der Erfolg kehrt bald ein: Als «77 Bombay Street» gewinnen sie fast alle Bandwettbewerbe, unter anderem 2009 den kleinen Prix Walo sowie den MyCokemusic-Contest. Mittlerweile sind sie längst kein Geheimtipp mehr. Mit ihrem Album «Up In The Sky» haben die vier Brüder die Schweizer Musiklandschaft kräftig aufgewirbelt.
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